Dominik an der Tortour 2017

Da etliche vierte Fahrer aus verschiedenen Gründen absagen mussten, wurde ich spontan angefragt, ob ich als „vierter vierter Mann“ für das Schaller-Phoenix-Team einspringen würde. Nach einer kurzen Bedenkzeit liess ich mir die Gelegenheit nicht entgehen zusammen mit Sven Montgomery, Stefan Rütimann und Fabio Habegger die 1’000 km im 4er Team unter die Räder zu nehmen.

Am Donnerstag Nachmittag stand der kurze Prolog zur Ermittlung der Startreihenfolge auf dem Programm. Ich war froh, war mit Fabio ein zweiter unrasierter mit am Start. Ich mit Vollbart und haarigen Beinen fast allein auf weiter Flur. Kritische Musterungen waren mir Gewiss, aber abgerechnet wird ja dann auf dem Sattel 😀 Kurz und heftig, insbesondere die steile Rampe entlang des Rheinfalls hinauf – so kann der Prolog umschrieben werden. Nach dem Prolog stand fest, dass wir die Strecke als sechste in Angriff nehmen durften.

Obwohl wir im Hotel mehrmals nach unserer gewünschten Frühstückszeit gefragt wurden, verschlief die Küchencrew und wir mussten uns mit einem improvisierten „Z’morge“ auf dem Hotelzimmer begnügen. Nach dem Z’morge riss ich beim Luftdruckkontrollieren sogleich mein Ventil ab und musste noch Hopp-Hü vor dem Start den Schlauch wechseln. Trotz diesen Unwägbarkeiten nahmen wir die 1’000 km pünktlich um 3:37 Uhr Freitag in der Früh in Angriff. Die erste Etappe nach Frauenfeld musste als Team gefahren werden. Unsere Taktik war schnell festgelegt: Stefan Rütimann, unser bestes Ross im Stall, vorne einspannen und alle anderen hinterher 😉 Da ich danach gleich die 2. Etappe in Dunkelheit weiterfahren durfte, war ich froh, ein Einfahren im Windschatten geniessen zu können. In der Nachtetappe nach Unterwasser versuchte ich mächtig aufs Gas zu drücken. Da auch meine Teamkollegen mächtig in die Pedale traten, waren wir schon früh vor unserer eigenen Marschtabelle. Ob sich das noch rächen würde?

Nach einem Husarenritt von Rüti über den Oberalp und den Susten, konnte ich als Dritter in die Abfahrt vom Susten nach Interlaken starten. Ein wenig Druck schadet ja nie 🙂 Ohne Probleme in der Abfahrt wurde ich dann aber in der Fläche wieder gestellt. Da ist einfach nichts zu machen ohne „Hörnli“ oder Zeitfahrmaschine 😉

Fabio hatte danach in der Gluthitze ein happiges Teilstück auf den Beatenberg zu bewältigen bevor Sven dann in den Genuss eines heftige Gewitters am Jaunpass kam und fast vom Velo geblasen wurde. Bei heftigem Regen nahmen wir ab Aigle das zweite Teamzeitfahren in Angriff. Zum Glück war das Wasser warm – gratis Dusche! Ab Morges kam durfte ich sogleich weiterpedalen. Mit dem Anstieg zum Col de Mollendruz und der Abfahrt nach Baulmes absolut mein Terrain. Ich konnte meine Nachtfahrstärke voll ausspielen. Nachdem Fabio sein Teilstück an La Brévine vorbei absolviert hatte, kamen wir zwei in den Genuss von einer Stunde improvisiertem Schlaf, während Sven und Rüti am Zug waren. Ab Balsthal durfte ich sprichwörtlich durch mein Wohnzimmer strampeln, wobei keine, aber auch wirklich keine Rampe im Oberbaselbiet aussen vor gelassen wurde.

Das letzte Teilstück nach Schaffhausen ins Ziel wurde wieder im Team absolviert. Überglücklich und auch von den Strapazen (v.a. kein Schlaf) gekennzeichnet, erreichten wir das Ziel kurz nach Mittag heil und wohlauf in Schaffhausen als sechste in der Kategorie 4er Team.

Die gewonnen Eindrücke von der Tortour sind unglaublich und unvergesslich. Vor allem die Materialschlacht und der Organisationsaufwand sind gewaltig. Da ich als vierter Fahrer eingesprungen bin, bekam ich davon im Vorfeld nicht so viel mit. Daher bin ich Sven, Rüti, Fabio, Mischu, Yvonne, Röfe, Sacha, André und Jürg unendlich dankbar für ihren unermüdlichen Einsatz, auch als Helfer und Betreuer unterwegs. Als Highight bleibt mir die super Harmonie im Team und die Fahrten in Dunkelheit ohne Verkehr in Erinnerung (daran könnte man sich gewöhnen). Und irgendwie sureal, da startest du in Schaffhausen und kommst 1’000 km und zwei Nächte später wieder in Schaffhausen an, keine Ahnung mehr welcher Wochentag nun ist, und dabei nichts anderes gemacht zu haben als Velofahren, Essen und im Auto zum nächsten Einsatz gefahren zu sein. Oh wie schön war die Dusche und das Bett danach…

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